Oder: Wie aus „ganz easy“ eines der komplexesten Gutachten wurde
Vor rund zehn Tagen bekam ich einen Auftrag für ein Mietshaus in Friedenau. Nur ein Problem: Ich konnte mich weder an das Objekt noch an ein Angebot erinnern. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus: Vor einem Jahr hatte jemand angefragt – ich hatte ein Honorarangebot erstellt – und dann nie wieder etwas gehört. Dachte ich zumindest.
Der Auftrag klang zunächst harmlos:
„Es gibt ja ein 12 Jahre altes Vorgutachten, Sie können viele Daten übernehmen.“ Haha. Ja. Genau.
Beim Ortstermin dann die ersten Überraschungen:
- „Ach ja, da ist übrigens ein Nießbrauch drauf.“
- „Und nach WEG ist das Haus auch schon aufgeteilt.“
- Nach Katastereinsicht: Überbau festgestellt.
- Drei Wohnungen werden kostenfrei von Eigentümern bewohnt.
- Die Mieten schwanken zwischen 5 € und 22 € pro m².
- Gewerbe ist natürlich auch dabei.
Spätestens da war klar: Das wird kein „Daten übernehmen“. Das wird ein komplexes Bewertungsprojekt.
Was folgte:
- Eine aufwendige Under‑/Overrent‑Analyse für 27 Einheiten
- Anpassung der modellhaften GAA‑Ansätze an den realen Markt
- Bewertung unter Berücksichtigung von Nießbrauch, Überbau, Sondernutzungen und extrem heterogenen Mietverhältnissen.
Kurz gesagt:
Ein Gutachten, das deutlich mehr Zeit brauchte als geplant – aber am Ende sitzt es. Und der Kunde ist zufrieden.
Was zeigt der Fall? Nachlassgutachten sind wie Überraschungseier: Man weiß nie, was drin ist – aber es wird selten langweilig.

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